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Phaedrus
"Die Fabeln des Phaedrus wurden lange unter motiv- oder sozialgeschichtlichen Aspekten gelesen; man meinte, durch den ‚Freigelassenen des Augustus' die Stimme des ‚Kleinen Mannes' zu hören, der pessimistisch die Anpassung predige. Ferner wurde meist ein biographischer Deutungsansatz verfolgt, der die Gedichte aus der vermeintlichen Lebenserfahrung des Dichters ableitete. Dabei wurde zu wenig berücksichtigt, dass diese ‚Lebensdaten' mehr oder weniger gänzlich aus den Fabeln erschlossen wurden; viele dieser Elemente geben sich zudem als poetologische Topoi zu erkennen, sodass sich das Ich eher zu tarnen als zu offenbaren scheint. Schliesslich fand das intendierte (Lese-)Publikum zu wenig Beachtung, denn der Dichter verlangt nicht nur selbst Belesenheit, vielmehr erschliesst sich die Vielschichtigkeit der zunächst so simpel erscheinenden Gedichte erst bei Beachtung der zahlreichen...